Geografische Lage – Sutlej

Nur wenige Kilometer entfernt verläuft im Süden, tief in den sandig-lehmigen Boden eingegraben, das Flussbett des Sutlej. Dieser ist einer der fünf Ströme, der dem Punjab dem Namen gaben.

Während der Regenzeit setzte noch in den 1960er Jahren der aus den Himalayas kommende Sutlej die ganze Region mitunter wochenlang meterhoch unter Wasser. Die restliche Zeit war das Land, durch den Sandboden bedingt, trockene Steppe. Seit der Regulierung des Sutlej verliert sich der Fluss fast in seinem großen Bett. Überschwemmungen sind selten geworden, was nicht heißt, dass in der Regenzeit schon mal ein halber Meter Wasser mehrere Tage stehen bleiben kann, an tiefer gelegenen Orten auch entsprechend mehr. Deshalb wurde das Geländeniveau von Kirpal Sagar in den bebauten Abschnitten um bis zu einen Meter angehoben. Die Felder liegen tiefer, bilden so einen Rückhalteraum für die Monsunzeit.

Musikgruppe der Academy

So ergibt sich eine Atmosphäre, in der ein Austausch sich nahezu „von selbst ergibt“.

Kirpal Sagar ist nicht nur eingebettet in dieses Umfeld, vielmehr steht es für umfassenden Austausch, für Wertschätzung, für gegenseitige Hilfe – nicht als Vorzeigeobjekt sondern gleichsam als „Do-it-Yourself“-Werkstatt, womit sich der Kreis zu Goethe geschlossen hätte….

 

 

Grau ist alle Theorie und grün


des Lebens gold’ner Baum.

 

J.W. von Goethe

Dichter und Universalgelehrter

Kirpal Sagar in den frühen 1980er Jahren

Traditionen, Religionen, Sprachen

Der Punjab war seit Jahrhunderten als die Kornkammer Indiens bekannt. Amritsar und das heute in Pakistan liegende Lahore waren die kulturellen Zentren. Die Aufspaltung in Bharat/Hindustan (heutiges Indien) und Pakistan teilte auch den Punjab und führte zu vielfacher Flucht, Vertreibung, Mord und Totschlag.

Sprachlich ist Indien außerordentlich reich gestaltet. Mehr als 50 großen Sprachen sind im offiziellen Verzeichnis geführt. Hindi und Englisch sind landesweit die beiden Amtssprachen. Im Punjab ist das Punjabi (indogermanischen Ursprungs) weit verbreitet, in den nordwestlichen Landesteilen finden sich noch etliche, die Urdu (persischen Ursprungs) beherrschen.

Religiös finden sich Gotteshäuser vieler Richtungen (Gurdawaras der Sikhs, Tempel der Hindus, christliche Kirchen, wenige jüdische und buddhistische Tempel, Moscheen von Schiiten, Sunniten, Sufis), vor allem viele weise und gottesfürchtige Menschen, die umherziehen und zur Rückbesinnung aufrufen oder einfach ein praktisches Beispiel geben.

Kultur, Musik und Gesang

Kulturell ist der Punjab seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel verschiedener Traditionen, Sprachen und Religionen. Die Zeiten der Invasion zentralasiatischer Steppenvölker, der Mogulkaiser im 16. bis 18. Jahrhundert, die englische Kolonialzeit haben in dem heute von Sikhs und Hindus geprägten Land ihre tiefen Spuren hinterlassen, aber auch vieles bis dahin vorhandene verdrängt oder ausgelöscht.

Manches findet sich nur noch in Spuren oder gar nur noch in alten Beschreibungen und Erzählungen wie den mehr als 5.000 Jahre alten Epen. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die Musik, melodisch außergewöhnlich reichhaltig und vielgestaltig. Unzählige Tonarten, europäisch-westlich nicht notierbare Zwischentöne und Verzierungen, das ist schon beeindruckend.

Was die Instrumente angeht, ist von der Vielfalt leider nur noch wenig erhalten geblieben. Das britische Handharmonium prägt die Instrumentalszene, ergänzt von Flöten, Sitar und verschiedenen Trommeln.

Musik und Gesang spielen auch im Alltag eine große Rolle. Es wird viel gesungen, gerne auch bei der Feldarbeit. Kaum eine religiöse Zusammenkunft – egal welcher Coleur – bei der nicht einige religiöse Lieder vorgetragen werden, nicht selten von Refrains eingerahmt, bei dem alle vielstimmig mit einstimmen.