ist ein Ort im Nordosten Indiens, mit Schulen, einem College zur Lehrerausbildung, Werkstätten, einem Krankenhaus, Altenheim, Landwirtschaft und noch so manchem mehr.

Nur wenige Kilometer von Kirpal Sagar entfernt verläuft im Süden, tief in den sandig-lehmigen Boden eingegraben, das Flussbett des Sutlej. Dieser ist einer der fünf Flüsse, der dem Punjab dem Namen gaben. Punjab bedeutet Fünf-Fluss-Land und bezieht sich auf die Flüsse Beas, Chenab, Jhelum, Ravi und Sutlej. Ihre Wasser nimmt der mächtige Indus auf, der nahe Karachi ins Meer mündet.

Noch vor einer Generation war das heutige Kirpal Sagar Überschwemmungsgebiet. Es waren unwirtliche Lebensbedingungen. Während der Regenzeit setzte der aus den Himalayas kommende Sutlej die ganze Region mitunter wochenlang meterhoch unter Wasser.

Außerhalb der Regenzeit war das Land, durch den Sandboden bedingt, trockene Steppe. Die Situation änderte sich mit der Regulierung des Sutlej, dessen Wasser in den Bergen mehrfach aufgestaut wird. Auf dem Weg von Delhi über Chandigarh nach Amritsar führt die Strasse bei Rupnagar auf der Staumauer entlang. Zwei große Kanäle führen Wasser zur Bewässerung und zur Gewinnung von Elektrizität ab. Seitdem verliert sich der Fluss fast in seinem großen Bett. Überschwemmungen sind selten geworden. Das Geländeniveau von Kirpal Sagar wurde in den bebauten Abschnitten um bis zu einen Meter angehoben, um mehr Schutz vor Überschwemmungen zu erhalten. Die Felder liegen tiefer, bilden so einen Rückhalteraum für die Monsunzeit.

Traditionen, Herausforderungen und Sprache

Der Punjab war seit Jahrhunderten als die Kornkammer Indiens bekannt, wobei sich die Provinz vor der Unabhängigkeit beidseits der indisch-pakistanischen Grenze befand und etwa dreimal die heutige Fläche umfasste. Amritsar und das heute in Pakistan liegende Lahore waren die kulturellen Zentren. Die Aufspaltung in Bharat/Hindustan (heutiges Indien) und Pakistan führte zu vielfacher Flucht, Vertreibung, Mord und Totschlag. Kulturell ist der Punjab nach wie vor ein Schmelztiegel verschiedener Traditionen, Sprachen und Religionen. Die Zeiten der Invasion zentralasiatischer Steppenvölker, der Mogulkaiser im 16. bis 18. Jahrhundert, die englische Kolonialzeit haben in dem heute von Sikhs und Hindus geprägten Land ihre tiefen Spuren hinterlassen. Sprachlich finden sich vor allem solche indogermanischen (Punjabi, Hindi) sowie persischen Ursprungs (Urdu).

Kultur, Musik und Religion

Erhaltene kulturelle Schätze Indiens haben oft einen religiösen Zusammenhang. Vieles alte wurde leider durch die jeweiligen Herrscher gezielt ersetzt und findet sich nur noch in Spuren oder gar nur noch in alten Beschreibungen und Erzählungen wie den mehr als 5.000 Jahre alten altindischen Epen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Musik, melodisch außergewöhnlich reichhaltig und vielgestaltig. Unzählige Tonarten, europäisch-westlich nicht notierbare Zwischentöne und Verzierungen, das ist schon beeindruckend. Was die vormals vorhandene Vielzahl an Instrumenten angeht, davon ist leider vor allem im Norden Indiens außer einzelnen Schlaginstrumenten nur noch wenig erhalten geblieben. Das britische Handharmonium prägt die Instrumentalszene, ergänzt von Flöten, Sitar und verschiedenen Trommeln.

Religiös finden sich Gotteshäuser vieler Richtungen (Gurdawaras der Sikhs, Tempel der Hindus, christliche Kirchen, wenige jüdische und buddhistische Tempel, Moscheen von Schiiten, Sunniten, Sufis), vor allem viele weise und gottesfürchtige Menschen, die umherziehen und zur Rückbesinnung aufrufen oder einfach ein praktisches Beispiel geben.

Vor allem im hinduistischen Glauben mit seinen vielfältigen Ausgestaltungen spielt Musik und Gesang eine große Rolle. Kaum eine religiöse Zusammenkunft – egal welcher Coleur – bei der nicht einige religiöse Lieder vorgetragen werden. Das alles erklärt, warum das geistlich-religiöse Leben einen im westlichen Vergleich doch bedeutenden Anteil des Lebens einnimmt, auch, warum in den Schulen inhaltlich oft und weit über den Tellerrand hinausgeschaut wird. So ergibt sich eine Atmosphäre, in der Austausch sich nahezu von selbst ergibt, die Interesse an anderen Lebensweisen und Kulturen fördert. Kirpal Sagar ist nicht nur eingebettet in dieses Umfeld, vielmehr steht es für umfassenden Austausch, für Wertschätzung, für gegenseitige Hilfe – nicht als Vorzeigeobjekt sondern gleichsam als „Do-it-Yourself“-Werkstatt, womit sich der Kreis zu Goethe geschlossen hätte….

Grau ist alle Theorie und grün
des Lebens gold’ner Baum.

J.W. von Goethe

Dichter und Universalgelehrter